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Grüne Marathons

Wie grün kann ein Marathon sein? Läufer und Organisatoren verfolgen sportliche und nachhaltige Ziele

Immer mehr Marathonveranstalter setzen sich für den Umweltschutz ein, indem sie grünere und nachhaltigere Veranstaltungen durchführen. Sie verbieten Plastik, nutzen Solarenergie und helfen, das Leben benachteiligter Kinder zu verbessern. Lesen Sie weiter, um mehr über zehn Vorreiter zu erfahren, die sich dafür einsetzen, den ökologischen Fußabdruck ihrer Marathons zu verkleinern.

Mainova Frankfurt Marathon

Durchdrehen? Richtig - für ökologische Produkte! Beim Frankfurt-Marathon halten die Catering-Firmen an Bio fest. Foto: Mainova-Frankfurt-Marathon

Der Frankfurt-Marathon hat sich bereits als besonders nachhaltiger Lauf erwiesen. Er findet im Herzen des deutschen Finanzzentrums statt und wird seit 2005 in Kooperation mit dem Umweltforum Rhein-Main veranstaltet. 2014 wurde er mit dem Green Award für den umweltfreundlichsten Marathon ausgezeichnet - und wird von Jahr zu Jahr immer grüner. Der ganzheitliche Ansatz der Veranstaltung zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks jedes Läufers umfasst die Bereiche Transport, Verpflegung und Abfallentsorgung. Am Tag des Laufs können Läufer und Helfer die Busse und Züge des öffentlichen Verkehrsnetzes der Stadt kostenlos nutzen. Die Dieselgeneratoren, die früher das Wasser für den Duschbereich erwärmten, sind längst durch ein neues System ersetzt worden, das warmes Wasser aus dem Kongresszentrum nutzt. Außerdem liefern elf Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Frankfurter Gebäude grünen Strom. Die T-Shirts der Teilnehmer sind aus recycelten Materialien hergestellt, wobei jedes Shirt aus etwa zwölf recycelten Plastikflaschen besteht. Es werden lokal bezogene Bio-Lebensmittel serviert, wodurch weniger Emissionen bei der Produktion und beim Transport entstehen. Einhundert Prozent der bei der Veranstaltung anfallenden wiederverwertbaren Abfälle werden gesammelt und verarbeitet. Darüber hinaus sind die offiziellen Leit- und Pace-Autos allesamt Elektrofahrzeuge. Und 2018 spendeten die Organisatoren einen Euro pro Läufer an ihren Partner und Gastgeber der Pasta-Party, die Fattoria La Vialla, die mit dem Geld 4.500 Olivenbäume in der Toskana pflanzte.

Yangyuan-Six Walnuts Hengshui Lake International Marathon

Hengshui See. Photo: 阿留申 / Aliu shen

"Grüner Marathon, schöner Hengshui-See" war das Motto des Internationalen Yangyuan-Six Walnuts Hengshui Lake Marathons 2018. Und dieses Rennen in Hengshui, einer Stadt in der chinesischen Provinz Hebei südlich von Peking, gewinnt wahrscheinlich den Preis für den längsten Marathonnamen. Aber wie grün ist er? Allein die Rennstrecke zeigt ihre Hingabe an die Natur - fast die gesamte Strecke verläuft entlang des Ufers des Hengshui-Sees. Das Hauptaugenmerk des Veranstalters liegt auf der Erhaltung des Lebensraums der vielen seltenen Vogelarten, die sich in diesen Feuchtgebieten angesiedelt haben. Diese Botschaft wird auf einer "Wunschtafel" wirkungsvoll vermittelt, die den Organisatoren des Rennens dabei hilft, die lokale Regierung zu unterstützen. Diese hat eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt in der Region ergriffen - wie zum Beispiel die Schaffung einer neuen lokalen Grünfläche von 1,3 Quadratkilometern. Damit das Gebiet des Marathons unberührt bleibt, werden während des Rennens Teams eingesetzt, die den gesamten, angefallenen Abfall beseitigen. Dadurch merkt man am nächsten Tag gar nicht, dass es etwa 18.000 Läufer waren, die am Rennen teilgenommen haben.

Hartford Marathon

New York City, Boston... Hartford? Wenn Sie die ehrwürdigsten Marathonläufe Amerikas bereits von Ihrer Liste abgehakt haben, sollten Sie Ihre Schritte in Richtung der Hauptstadt Connecticut richten, die auf halbem Weg zwischen den Städten liegt, die die beiden Großväter der Marathonläufe beherbergen. In Hartford finden Sie nicht nur die ehemalige Residenz des Schriftstellers Mark Twain, dem Schöpfer so beliebter Figuren wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn, sondern auch einen besonders grünen Marathon. Bereits 2007 führten die Marathon-Organisatoren den "Bubbler" ein, eine zwölf Meter lange Wasserleitung mit mehreren Ausläufen, um den Athleten das Trinken ohne Becher zu ermöglichen. Die Organisatoren sagen, dass durch diese Innovation bis heute etwa 85.000 Plastikbecher überflüssig geworden sind. Die Energie wird durch den Solar-Anhänger bereitgestellt, ein Bus welcher mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet ist. Seit 2013 arbeitet der Hartford-Marathon mit dem Eco Husky Club zusammen, einer Studentenorganisation, die sich dem Umweltschutz gewidmet hat. Der Club sorgt dafür, dass der während des Marathons anfallende Abfall kompostiert wird - und klärt Läufer, Zuschauer und Helfer darüber auf, wie man auch zu Hause kompostieren kann.

Röntgenlauf Remscheid

Es ist eines der größten nicht-urbanen Rennen in Deutschland, bei dem die Läufer auf dem legendären Röntgenweg, einem Wanderweg rund um Remscheid, unterwegs sind. Die Strecke schlängelt sich entlang Seen und durch Täler und Wälder - dabei sind die Organisatoren bestrebt, ihre Liebe zur Natur durch ihr besonders nachhaltiges Konzept zu zeigen. Die Verpflegung wird von lokalen Unternehmen übernommen, so dass sie nicht über lange Strecken transportiert werden muss. Das Wasser für die Läufer bedarf gar keinem Transport - aus den Trinkstationen fließt Wasser aus lokalen Wasserhähnen. Der Marathon hat auch keine Pacecars: Es werden Fahrräder verwendet. Einwegartikel aus Plastik, wie Plastikbecher und -teller, sind von der Veranstaltung komplett verbannt. Am Tag des Rennens können die Teilnehmer sowohl die öffentlichen Verkehrsmittel als auch die Shuttlebusse der Veranstaltung kostenlos nutzen. Um nach Remscheid zu gelangen, haben die Organisatoren einer alten Idee - der Mitfahrgelegenheit - neues Leben eingehaucht. Auf der Website der Veranstaltung gibt es die Möglichkeit, dass die Teilnehmer sich anmelden, um Fahrten zum und vom Rennen zu teilen.
Der grüne Faden erstreckt sich auch auf die entlang der Strecke angebotenen Snacks - es werden nämlich keine verpackten Lebensmittel angeboten. Selbst auf den obligatorischen Müsliriegeln, die von einem örtlichen Bäcker für die Veranstaltung in großen Mengen hergestellt werden, findet man keine Plastikverpackung.

Schwarzwald-Marathon

Bei dem grünen Marathon im Schwarzwald verlaufen 80 Prozent der Strecke durch den Wald. Foto: Schwarzwald-Marathon

Im Oktober 2019 fand der 52. Lauf des Schwarzwald-Marathons statt, dessen Name fast alles über den Lauf verrät - nicht nur über seine Lage, sondern auch über die Topographie. 80% des Laufes rund um Bräunlingen findet auf Waldwegen statt. Nicht nur die Strecke führt über natürliches Gelände, sondern die gesamte Veranstaltung zeigt einen tiefen Respekt vor der Natur. Plastik wird beim Schwarzwald-Marathon nach und nach abgebaut. So wird beispielsweise das Rennpaket nicht mehr in Plastiktüten, sondern in Stoffbeuteln ausgegeben. Dieser Marathon ist vor allem bei Athleten aus dem Ausland sehr beliebt. Bei der letzten Veranstaltung versammelten sich Läufer aus 34 Nationen an der Startlinie - darunter Mexiko, den Philippinen, dem Libanon, Japan, Israel, Katar und Ägypten. Und obwohl der Schwarzwald für seinen gleichnamigen Kirschkuchen bekannt ist, gibt es an diesem Tag auch allerlei pikante Snacks. Läufer und Zuschauer genießen ausschließlich regionale Speisen - das bedeutet kürzere Lieferwege und geringere Emissionen.

Salzburg Marathon

Auch der berühmte Geburtsort von Mozart in Österreich setzt ein grünes Ereignis in Szene. Im Jahr 2012 wurde der Salzburg Marathon in der Kategorie "Sport und Nachhaltigkeit" auf den ersten Platz des Landes gesetzt. Zudem war es der erste Lauf Österreichs, der dreimal "bio-zertifiziert" wurde. Das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit zeigt sich bereits dann, wenn die Läuferinnen und Läufer ihre Startnummern abholen - und mit lokal produzierten Bio-Leckereien begrüßt werden. Entlang der Strecke können sich die Läuferinnen und Läufer Äpfel, Bananen und Orangen holen - natürlich nur biologisch! Auch das alkoholfreie Bier, das viele Teilnehmer nach dem Zieleinlauf gerne genießen, stammt aus der Salzburger Bio-Brauerei Paracelsus. Auch Gatorade bekommt hier ein grünes Upgrade - das beliebte, elektrolytisch verpackte Getränk wird nicht in den üblichen Plastikflaschen angeboten, sondern in Pulverform geliefert und vor Ort mit frischem Quellwasser aus der Region gemischt. Teilnehmer und Zuschauer können eine Veranstaltung genießen, die - zumindest von den Fahrzeugen - lärmfrei ist. Die einzigen motorisierten Fahrzeuge sind die Krankenwagen und die Kameramotorräder des ORF. Marathon-Chef, Mitarbeiter, Polizei und Rettungssanitäter benutzen meist Mountainbikes oder Elektrofahrräder, um sich fortzubewegen.

Spitzenläufer Temesgen Bekele kurz vor dem Zieleinlauf in Salzburg - begleitet von einem radfahrenden Polizisten. Auch die Polizisten sind umweltfreundlich unterwegs! Foto: Buschmann

SwissCityMarathon

"Man kann sich nur dann im Freien bewegen, wenn die Umwelt intakt ist", sagen die Organisatoren des SwissCityMarathons in Luzern. In diesem Sinne arbeiten sie hart daran, den Marathon, der 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen heißt, zu einem grünen Ereignis zu machen. Auch wenn die negativen Umweltauswirkungen des Laufs im Vergleich zu den jährlichen Auswirkungen, denen die Region ausgesetzt ist, gering erscheinen mögen, versuchen die Organisatoren das Gesamtbild zu betrachten. Sie bemühen sich, die 60.000 Besucher der Sportveranstaltung über den Umweltschutz aufzuklären, indem sie beispielsweise Unternehmen, die nachhaltige Produkte herstellen, eine Plattform bieten. Das macht regionale Unternehmen zu ihrer Top-Auswahl als Partner für die Veranstaltung. Vorrang haben Unternehmen, deren Produkte nach dem Max Havelaar-Fair-Trade-Standard zertifiziert sind, wie zum Beispiel Obst, das die strengen Bio- und Arbeitskriterien erfüllt. Mit dem Swiss Runners Ticket können die Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Schweiz kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Abfälle werden weitestgehend vermieden, und alles, was an Müll anfällt, wird für die Wiederverwertung sortiert. Die Clean Teams des Rennens sind rund um die Uhr für die Abfallfreiheit verantwortlich. Sämtliche Motorfahrzeuge sind aus dem Stadtzentrum verbannt und die Energie wird aus erneuerbaren Energien bezogen. Der Luzern-Marathon wurde bereits dreimal von verschiedenen Umweltorganisationen für seine Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeit ausgezeichnet - er wurde zum "Umweltmeister" und zur "vorbildlichen Veranstaltung" ernannt und erhielt den prix ecosport.

Für seine Bemühungen, die idyllische Umgebung zu bewahren, hat das Nachhaltigkeitskonzept des SwissCityMarathons bereits drei Auszeichnungen erhalten. Foto: Ammon

Brighton Marathon

Nach dem Startschuss beim Brighton-Marathon an der Südküste Englands laufen die Teilnehmer durch die Landschaft, vorbei an den Touristenattraktionen und hinunter zum Meer. Für viele Briten ist die Küstenstadt in East Sussex ein beliebtes Urlaubsziel. Und um die lokale Lebensqualität zu erhalten, orientieren sich die Organisatoren an strenge Umweltstandards. Sie haben die Anzahl der Einwegartikel aus Plastik deutlich reduziert und durch papierbasierte Produkte ersetzt, die nach dem Rennen recycelt werden. Künftig ist geplant, dass jede Trinkstation über Wasserleitungen verfügt, an denen die Läufer, die von den Organisatoren bereitgestellten wiederverwendbaren Plastikflaschen nachfüllen können. Veranstaltungspartner Erdinger beteiligt sich auch und serviert sein Bier in Bechern aus Maisstärke. Und natürlich werden alle Abfälle recycelt. Außerdem ist der Veranstalter nach der ISO-Norm 20121 zertifiziert, die im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in London 2012 eingeführt wurde - es ist der erste globale Standard für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement.

Sanlam Cape Town Marathon

Vor der Kulisse des berühmten Tafelbergs von Kapstadt empfängt dieser Marathon nicht nur mehr Läufer als jeder andere in Afrika, sondern ist auch für seine grüne Ausstrahlung bekannt. Sein Slogan "Run4Change" steht für sein Engagement für Nachhaltigkeit. Der Cape Town Marathon hat längst alle Abfälle recycelt oder kompostiert und auch das Konzept der Wasserversorgung ist revolutionär. Getreu dem Grundsatz, dass jeder Tropfen Wasser zählt, arbeiten die Marathon-Organisatoren mit der Organisation Bluewater Africa zusammen, die sich zum Ziel gesetzt hat, in Regionen der Welt, in denen diese kostbare Ressource knapp ist, qualitativ hochwertiges Wasser zur Verfügung zu stellen. Da der Verzicht auf Einweg-Plastikbecher ebenfalls ganz oben auf der Liste der Organisatoren steht, stellt Bluewater den Marathon-Teilnehmern große Wassertanks zur Verfügung, um ihre wiederverwendbaren Flaschen aufzufüllen. Der Cape Town Marathon arbeitet auch mit wohltätigen Organisationen zusammen, die sich für Bildungsmöglichkeiten für Kinder, den Schutz der Tierwelt und die Rechte der Frauen einsetzen.

Impact Marathon Serie

Bei der Impact-Marathon-Serie geht es nicht um symbolische Aktionen, sondern darum, in direkter Zusammenarbeit mit den Teilnehmern echte Veränderungen zu schaffen. Das Konzept ist spannend: Die Athleten reisen an Orte abseits der ausgetretenen Pfade und arbeiten eine Woche lang an Entwicklungsprojekten an der Basis. Am Ende der Woche laufen sie gemeinsam einen Marathon. In einem kleinen Dorf in Nepal hat die Gruppe beispielsweise beim Bau einer fünf Kilometer langen Wasserleitung mitgeholfen, bevor sie am Samstag ihr Rennen lief. Weitere Veranstaltungen der Reihe finden in Guatemala, Kenia und Malawi statt. Ende Mai 2019 wird der nächste Impact-Marathon am Ufer des Malawisees stattfinden. Die Läuferinnen und Läufer werden die Woche vor dem Lauf mit Projekten verbringen, die benachteiligten Kindern zugutekommen. "Was wir tun, verändert das Leben für immer", sagen die Organisatoren.

In Nepal war die Woche vor dem Marathon hart, aber äußerst lohnend. Die Läufer bauten mit vereinten Kräften eine Wasserfilteranlage und eine Rohrleitung, die das gesamte Dorf mit sauberem Trinkwasser versorgen wird. Foto: Adam Dickens In Nepal war die Woche vor dem Marathon hart, aber äußerst lohnend. Die Läufer bauten mit vereinten Kräften eine Wasserfilteranlage und eine Rohrleitung, die das gesamte Dorf mit sauberem Trinkwasser versorgen wird. Foto: Adam Dickens

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