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Latex aus dem Kautschukbaum

Naturkautschuk aus verantwortungsvoller Beschaffung


Rubber plantations: Responsible sourcing of natural rubber, Continental and GIZ project

Naturkautschuk ist ein zentraler Bestandteil unserer Reifen. Doch genauso wichtig wie das Material selbst ist seine Herkunft. Continental setzt sich aktiv für eine verantwortungsvolle Beschaffung von Naturkautschuk ein – mit dem Ziel, unter anderem Wälder vor Abholzung zu schützen und ökologisch sowie gesellschaftlich wertvolle Regionen zu bewahren. Dazu zählen Lebensräume gefährdeter Arten, Wälder mit hoher Biodiversität und Gebiete, die für lokale Gemeinschaften von besonderer Bedeutung sind. Mit unserem Engagement tragen wir dazu bei, natürliche Ressourcen zu erhalten und nachhaltige Entwicklung entlang der gesamten Lieferkette zu fördern.

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Naturkautschuk ist ein nachwachsender Rohstoff aus dem Milchsaft des Kautschukbaums und ein wichtiger Bestandteil des Reifens.

  • Die globale Lieferkette ist komplex und basiert auf Millionen Kleinbauern in den Tropen. 

  • Continental setzt auf verantwortungsvolle Beschaffung, digitale Rückverfolgbarkeit und nachhaltigen Anbau des Naturkautschuks, etwa durch Projekte in Indonesien.

  • Initiativen wie RubberWay, EcoVadis und GPSNR verbessern Transparenz, Risikobewertung und Nachhaltigkeit in der Lieferkette.

Was ist Naturkautschuk?

Der Begriff „Kautschuk“ stammt vom französischen caoutchouc und geht auf die indigenen Wörter kau und chuk aus dem Amazonasgebiet zurück – sinngemäß „weinendes Holz“. Diese Bezeichnung verweist auf den Ursprung des Naturkautschuks: den Milchsaft des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis), der durch das Anzapfen des Baumes gewonnen und als Basis für die Gummiherstellung genutzt wird.

Naturkautschuk ist ein nachwachsender Rohstoff mit großer Bedeutung für die Reifenproduktion. Doch er lässt sich nicht nur aus Kautschukbäumen gewinnen: Auch Pflanzen wie der Russische Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz) oder die mexikanische Gummipflanze Guayule (Parthenium argentatum) bieten mögliche Alternativen. Die Nutzung dieser beiden Pflanzen für die Reifenproduktion befindet sich derzeit im Forschungsstadium. Idealerweise stehen somit in der Zukunft weitere Quellen für Naturkautschuk zur Verfügung, um die steigende weltweite Nachfrage zu bedienen.


Rubber plantations: Responsible sourcing of natural rubber, Continental and GIZ project

Was ist der Unterschied zu synthetischem Kautschuk?

Neben Naturkautschuk wird auch Synthesekautschuk verwendet – abgestimmt auf spezifische Anforderungen des Reifens. Beide Materialien bringen einzigartige Eigenschaften mit sich, die entscheidend für die Qualität und Performance unserer Reifen sind. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Unterschiede zwischen Naturkautschuk und Synthesekautschuk: 


 NaturkautschukSynthesekautschuk
Quelle Pflanzen (Kautschukbaum, Russischer Löwenzahn oder mexikanische Gummipflanze Guayule)industriell hergestelltes chemisches Produkt aus petrochemischen Rohstoffen oder biologischen Alternativen
Eigenschaftenherausragende Festigkeit (Schlagzähigkeit) und Haltbarkeit (Ermüdungswiderstand)breite Vielfalt maßgeschneiderter Typen, um Traktion, Rollwiderstand und Abriebwiderstand zu optimieren
Nachhaltigkeitnachwachsend, biologisch abbaubarje nach Typ nachwachsend (biologische Alternativen) oder nicht nachwachsend


Rubber plantations: Responsible sourcing of natural rubber, Continental and GIZ project
Natural Rubber Harvesting
The Taman Nasional Danau Sentarum National Park, Borneo, Indonesia

Woher kommt Naturkautschuk?

Naturkautschuk wird überwiegend aus dem Kautschukbaum Hevea brasiliensis gewonnen – und das vor allem in tropischen Regionen nahe der Äquatorzone, insbesondere in Thailand, Indonesien, Malaysia und der Elfenbeinküste. Rund 70 Prozent der weltweiten Produktion fließen direkt in die Reifenherstellung – ein klarer Beleg für die zentrale Rolle dieses Rohstoffs in unserer Branche.

Als einer der größten Reifenhersteller weltweit trägt Continental eine besondere Verantwortung: Wir setzen uns dafür ein, Naturkautschuk ausschließlich auf verantwortungsvolle Weise zu beschaffen und unsere Lieferketten vom Ursprung bis zur Verarbeitung transparent zu gestalten.

Die Reise des Naturkautschuks beginnt fernab befestigter Straßen – in tropischen Regionen, in denen Mensch und Natur eng miteinander verbunden sind. Jeder Tropfen des Milchsafts erzählt eine Geschichte: von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, von gelebter Tradition und von Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft.

Etwa sechs Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern beliefern die globale Lieferkette – oft über eine große Anzahl von Zwischenhandelsstufen. Diese Zersplitterung macht Transparenz und Nachhaltigkeit zu einer komplexen Herausforderung, die nur durch Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Branche gemeistert werden kann.

Wie wird Naturkautschuk geerntet?

Die Gewinnung von Naturkautschuk beginnt mit dem Anzapfen der Rinde des Kautschukbaums. Dabei tritt ein weißer Milchsaft (Latex) aus den Zapfschnitten aus, der in Bechern oder Bambusröhren aufgefangen wird. Latex besteht größtenteils aus Wasser und enthält darin fein verteilte Kautschukpartikel sowie geringe Mengen an Proteinen, Fettsäuren, Zucker und Harzen. Zum Zeitpunkt der Ernte liegt der Anteil der Kautschukpartikel bei nur etwa 30 bis 40 Prozent. Um die Konzentration zu erhöhen, wird der Milchsaft getrocknet – meist direkt auf den Plantagen der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. 

Natural Rubber Harvesting

Nach der Trocknung gelangt die Ernte zu lokalen Sammelstellen. Von dort übernehmen Händlerinnen und Händler den Transport zu Verarbeitungsanlagen, in denen der Naturkautschuk gewaschen, homogenisiert und erneut getrocknet wird. Erst dann ist er bereit für die Weiterverarbeitung in der Industrie. 

Ein Hektar Land bietet Platz für rund 500 Kautschukbäume. Nach etwa sechs bis sieben Jahren sind sie reif für die Ernte und liefern über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren regelmäßig Milchsaft. In dieser Zeit können pro Baum zwischen 60 und 150 Kilogramm Naturkautschuk gewonnen werden. 



Kautschukbaum Icon

1 Hektar

~500 Kautschukbäume produzieren bis zu 2 Tonnen Naturkautschuk pro Jahr

Naturkautschuk Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Icon

85%

der weltweiten Produktion erfolgen durch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern

Naturkautschuk Icon Reifen

Fast ¾

der weltweiten Naturkautschukproduktion werden für die Reifenherstellung verwendet


Wertschöpfungskette für Naturkautschuk

Naturkautschuk Lieferkette Infografik

Die Reise des Naturkautschuks beginnt auf kleinen Plantagen: Der sogenannte Latex – der Milchsaft des Kautschukbaums – wird von Erzeugerbetrieben geerntet, meist von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Etwa 85 Prozent der weltweiten Kautschukanbauflächen gehören Kleinstbetrieben, die durchschnittlich zwei bis drei Hektar Land bewirtschaften. 

Nach der Ernte verkaufen die Produzentinnen und Produzenten den Naturkautschuk an Handelsunternehmen, die ihn an Verarbeitungsbetriebe weiterleiten. Da ein Verarbeitungsbetrieb von vielen verschiedenen Quellen beliefert wird, entsteht eine komplexe Lieferkette. 

In den Verarbeitungsbetrieben wird der Naturkautschuk zu Ballen unterschiedlicher Qualität verarbeitet. Diese Ballen sind die Grundlage für zahlreiche industrielle Anwendungen – insbesondere in der Reifenproduktion. 

Nach der Verarbeitung übernehmen Handelsunternehmen den Vertrieb des Naturkautschuks und beliefern Hersteller, die daraus Fertig- und Halbfertigprodukte herstellen – darunter Reifen, technische Gummiwaren und viele weitere Erzeugnisse. 

Naturkautschuk Fabrik
Naturkautschuk Fabrik

Verantwortungsvolle Beschaffung von Naturkautschuk aus Indonesien: Partnerschaft mit der GIZ

Im Rahmen einer langfristigen Entwicklungspartnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) engagiert sich Continental direkt am Ursprung der Lieferkette – in Indonesien, dem zweitgrößten Herstellungsland von Naturkautschuk weltweit. Der Fokus liegt auf dem Bezirk Kapuas Hulu auf der Insel Borneo, wo vor allem unabhängige Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Kautschuk anbauen. 

Viele dieser Betriebe liegen in abgelegenen Regionen, was den Zugang zu Schulungen und Unterstützung erschwert. Durch die Partnerschaft erhalten die Menschen vor Ort gezielte Trainings in nachhaltigen Anbaumethoden. Seit 2018 wurden rund 5.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern geschult – mit dem Ziel, die Qualität des Naturkautschuks zu verbessern, die lokale Lebensgrundlage zu stärken und Entwaldung zu verhindern. 

Ein zentrales Element der aktuellen Projektphase ist der Einsatz digitaler Technologien zur Rückverfolgbarkeit – vom Baum bis zum fertigen Reifen. So schaffen wir Transparenz entlang der gesamten Lieferkette und fördern verantwortungsvolle Geschäftspraktiken. 

Ein greifbares Beispiel für den Erfolg der Partnerschaft: Seit Juli 2022 enthalten alle in unserem Werk in Korbach neu produzierten Reifen der Mountainbike-Produktlinie „Gravity“ von Continental Naturkautschuk aus verantwortungsvollen Quellen aus diesem Projekt. 


Naturkautschuk in der Reifenproduktion

Ohne Reifen keine Mobilität – und ohne Naturkautschuk keine Reifen. Die besonderen Eigenschaften dieses natürlichen Rohstoffs machen ihn unverzichtbar für moderne Reifentechnologie.

Naturkautschuk ist nach wie vor eine zentrale Komponente in der Reifenherstellung. Je nach Reifentyp macht er zwischen 10 und 40 Prozent des Gesamtgewichts aus: bei Pkw-Reifen sind es in der Regel etwa 10 bis 20 Prozent, während der Anteil bei Lkw-Reifen bei etwa 30 bis 40 Prozent liegt. Seine außergewöhnliche Festigkeit und Haltbarkeit entstehen durch eine sogenannte Dehnungskristallisation – einen physikalischen Prozess, der dem Material seine Widerstandskraft verleiht. Fast der gesamte weltweit verfügbare Naturkautschuk stammt aus dem Kautschukbaum Hevea brasiliensis.

Hauptfunktionen von Naturkautschuk im Reifen:

  • Bei Pkw-Reifen innere Bauteile wie Gummierungsmischungen und Base des Laufstreifens sowie Seitenwand: Sorgt für Flexibilität, Strapazierfähigkeit und eine lange Lebensdauer.

  • Zusätzlich bei Lkw- und Busreifen: Ein hoher Anteil an Naturkautschuk verbessert die Verschleißfestigkeit – entscheidend für schwere Lasten und lange Laufzeiten.

Performance-Vorteile von Naturkautschuk im Reifen:

  • Hervorragender Widerstand gegen Verschleiß und Materialermüdung

  • Ausgewogenes Verhältnis von Grip und Rollwiderstand

  • Zuverlässige Leistung bei extremen Temperaturen und hohen Lasten 


Beispiele für unser Engagement

Die Continental-Richtlinie für die nachhaltige Beschaffung von Naturkautschuk legt klare Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen für das Unternehmen, seine Zulieferinnen und Zulieferer sowie Servicepartnerinnen und -partner in der gesamten Wertschöpfungskette für Naturkautschuk fest. Die Richtlinie zielt darauf ab, Risiken in Bezug auf Umwelt, Menschenrechte und Gesellschaft zu minimieren.

Richtlinie zur nachhaltigen Beschaffung von Naturkautschuk herunterladen (PDF-Datei).

RubberWay ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Continental, Michelin und dem Softwareentwickler SMAG. Dabei geht es in erster Linie um die Entwicklung technologischer Lösungen zur Abbildung von Nachhaltigkeitspraktiken in der gesamten Wertschöpfungskette für Naturkautschuk.

Auf diese Weise sollen potenzielle Risiken frühzeitig erkannt werden. Mit einer speziellen App werden Daten zu potenziellen Umweltauswirkungen sowie zu gesellschaftlichen und menschenrechtlichen Risiken erfasst und bewertet. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, die gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Risiken entlang der Lieferkette zu verringern.

Mit RubberWay fördern Continental und seine Partner verantwortungsvolle Geschäftspraktiken in der Naturkautschukindustrie. Die Initiative steht im Einklang mit den Zielen der Global Platform for Sustainable Natural Rubber (GPSNR, Globale Plattform für nachhaltigen Naturkautschuk), zu deren Gründungsmitgliedern Continental gehört.

Mehr zu RubberWay erfahren.

Seit 2011 verlangt Continental von allen Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen die Einhaltung eines Verhaltenskodex, der ethische, gesellschaftliche und ökologische Standards umfasst. Auf diese Weise sollen Umweltrisiken und Schadstoffausstoß reduziert sowie gesellschaftliche und menschenrechtliche Belange berücksichtigt werden.

Damit wir die Nachhaltigkeitsleistung von Lieferantinnen und Lieferanten bewerten können, arbeiten wir seit 2017 mit EcoVadis zusammen. EcoVadis ist ein Anbieter von Nachhaltigkeitsratings für Unternehmen und globale Lieferketten. Regelmäßige Audits tragen zur Einhaltung der Vorschriften und zur kontinuierlichen Verbesserung bei.

Mehr zu EcoVadis erfahren.

Continental ist Gründungsmitglied der Global Platform for Sustainable Natural Rubber (GPSNR, Globale Plattform für nachhaltigen Naturkautschuk). Diese Multi-Stakeholder-Initiative trägt zur Verbesserung der Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette für Naturkautschuk bei.

Die GPSNR setzt sich für die Entwicklung und Harmonisierung von Richtlinien und Verfahrensweisen zur Wahrung der Menschenrechte, zur Verhinderung von Landraub und zum Schutz der Biodiversität und der Wasserressourcen ein. Außerdem sollen Erträge verbessert und die Transparenz der Lieferkette erhöht werden.

Die verschiedenen Akteure kommen aus allen Bereichen der globalen Lieferkette: landwirtschaftlichen Betrieben, Verarbeitungsindustrie, Händlerinnen und Händlern, Reifen- und Automobilherstellern sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Mehr zu GPSNR erfahren.

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